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Süddeutsche Zeitung Ebersberg 7.Dezember 2010 Das Buch als Lebensbegleiter - Literaturexpertin Ulrike Wolz lädt zu einer vorweihnachtlichen Lesung Bücher nennt die 64-Jährige ihre "Lebensbegleiter". Sie bestimmen ihr Wohlbefinden, wirken wie eine Medizin, sind Balsam für ihre Seele. Ohne Bücher wäre sie unglücklich, bekennt Ulrike Wolz. Kommt die Vaterstettenerin nicht zum Lesen, hat sie durchaus Entzugserscheinungen: Wenn sie spürt, dass "ihr etwas fehlt", zieht sie sich für ein, zwei Stunden mit einem Buch zurück. Das wirkt wie für andere Menschen ein Erholungsschlaf: "Damit kann ich jede Stimmung ausmerzen." Aber es ist natürlich in erster Linie kein therapeutischer Ansatz, der die ehemalige Wirtschaftsjournalistin drei, vier Stunden Lektüre auf sich nehmen lässt. Sie will vielmehr ihre Eindrücke weitergeben, anderen Menschen literarische Orientierungshilfe geben oder diese schlicht unterhalten, so an diesem Dienstag, wenn sie im Cafe "Aroma" aus dem "Krippenspiel" von John Irving vorliest, Beginn 10 Uhr. Damit geht zugleich vorerst ihre Reihe "Literatur am Vormittag" nach drei Jahren zu Ende. Denn das Cafe schließt: "Wie es damit weitergeht, weiß ich noch nicht", sagt sie. Mit dem Lesen ist freilich deshalb nicht Schluss. Schließlich verfolgt Ulrike Wolz weiterhin ihre ursprüngliche Linie: Seit neun Jahren stellt sie Neuerscheinungen vor, weil sie bemerkt hat, dass "die Leute überfordert sind, sich im Bücherdschungel zurecht zu finden". Als damals ihr Wirtschaftsjournal eingestellt und sie arbeitslos wurde, kam sie auf die Idee, aus ihrem Hobby einen Nebenberuf zu machen. Einen, von dem man natürlich nicht leben könne, der die verheiratete Volkswirtschaftlerin aber sehr erfüllt: „Ich habe mir meine Lücke rausgesucht. " Gab es bereits Germanisten, die sich auf diese Wise eine Einkommensquelle erschlossen hatten, so begnügte sich Ulrike Wolz nicht allein damit Ratgeber zu sein. Sie liest Passagen vor, womit sie sich "von anderen unterscheidet“. Ein gewisses schauspielerisches Talent, dass sie sich zuspricht, macht aus den Lesungen im Vaterstettener Cafe Seidl und der Bücherei in Grasbrunn dann fast eine dramaturgische Vorstellung. Das sei wohl auch die Attraktivität, die die Leute dazu animiert wieder zu kommen, versucht sie sich eine für derartige kulturelle Veranstaltungen durchaus ansprechende Besucherzahl von 30 bis 60 zu erklären. Die Hauptarbeit ist freilich das Lesen der Neuerscheinungen. Und jedes Buch, das Ulrike Wolz am Ende vorstellt, hat sie "von hinten bis vorne gelesen". Die Seiten überfliegen, das gibt es bei der Literaturexpertin nur dann, wenn das Werk ihr nicht so behagt, sie diesem aber dennoch "eine zweite Chance" geben will. Wer sich diese Akribie zur Maxime macht, benötigt viel Zeit. Diese findet sie selbst bei Autofahrten. Ihr Mann darf sich über eine Ehefrau als Beifahrerin wohl glücklich schätzen, der - vertieft in einen Roman - "keine Autofahrt zu lange sein kann". Christian Hufnagel
Süddeutsche Zeitung Ebersberg 7. Juli 2008 Vergnügliche Hörerlebnisse Ulrike Wolz feiert ihre 50. Literaturlesung in Vaterstetten und freut sich über eine begeisterte Fangemeinde Vor sechs Jahren hob sie ihr Projekt aus der Taufe und schnell wurde der erste Mittwoch im Monat zum literarischen Fixtag in einem Cafe in Vaterstetten: Überzeugend stellt sich Ulrike Wolz mit ihrer Auswahl brandneu erschienener Romane als Literaturkennerin vor und präsentiert diese mit dem Talent einer ausgezeichneten Vorleserin. So ist sie mittlerweile auf rund 350 Bücher gekommen. Eine stattliche Zahl, an der sich zusammengerechnet ein Kreis von etwa zweitausend Literaturinteressierten erfreute. Zu ihrer Jubiläums-Lesung im Cafe Seidl konnte Ulrike Wolz nicht nur die Schar ihrer "Fangemeinde" begrüßen und dieser für langjährige Treue, anregende Gespräche und Freundschaften danken. Unter den rund fünfzig Teilnehmern fanden sich auch etliche neue Leserinnen. Deutlich sind die weiblichen Teilnehmer bei den Leseabenden in der Mehrzahl: Belletristik, so meint die Expertin, spreche nun einmal mehr Frauen an. Nur bei Krimi- oder Thrillerlesungen würden auch ein paar Männer kommen. Ulrike Wolz beginnt mit der Auswahl ihrer Romane für den Mittwochstreff im weiten zeitlichen Vorlauf vor der Veröffentlichung der Romane. Verlagskataloge geben ihr erste Hinweise, Gespräche mit Lektoren verdichten die Entscheidung und zum Schluss lässt sie ihre inzwischen bestens ausgeprägte Spürnase sprechen. Stolz kann sie berichten, dass unter ihrer Vorauswahl häufig genug richtige Treffer waren und ihre bevorzugten Romane tatsächlich Bestseller wurden. Eine Vorliebe für bestimmte Genres oder Themen hat die Literaturkennerin nicht, aber sie hat genaue Vorstellungen, was Plot und Sprache des literarischen Werkes angeht: Hier zieht sie eine deutliche Markierungslinie Richtung anspruchsvoll, humorig und leicht lesbar. Dabei bedient sie thematisch möglichst viele Bereiche. Ganz in diesem Sinne waren denn auch die Neuerscheinungen ausgewählt, die sie ihrer Literaturrunde vor der langen Sommerpause als passende Lektüre für das Urlaubsgepäck anempfahl. Sabine Radloff
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