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Süddeutsche Zeitung Ebersberg 24.11. 2011 Orientierung im Büchermeer - Literaturexpertin Ulrike Walz stellt in Grafing ausgewählte Romane vor In der Fülle der Neuerscheinungen auf den Büchertischen bietet Literaturexpertin Ulrike Wolz wieder kompetente Navigationshilfe an. An diesem Donnerstag, 24. November, um 19.30 Uhr wird sie in der Bücherstube Slawik in Grafing aus sieben Romanen vorlesen. Nach welchen Kriterien sie die Literatur auswählt, erklärt sie in einem Gespräch mit der SZ. Wie finden Sie sich zurecht in der Flut der Neuerscheinungen? Sie können doch nicht alles lesen. Bevor die Bücher erscheinen, bekomme ich die Verlagskataloge. Ich lasse mir Empfehlungen von Lektoren und Buchhändlern geben, außerdem habe ich im Laufe der Jahre eine Intuition, ein Gefühl für Bücher entwickelt. Für mich gilt ein Zitat Voltaires: "Jede Art schreiben ist erlaubt, nur die langweilige nicht." Sie empfehlen nur Romane. Warum nicht Sachbücher oder Lyrik? Jeder muss seine Nische finden und kann nur auf einem Gebiet sehr gut sein. Sachbücher oder Biografien sind ein zu großer Bereich. Ich beschäftige mich eben mit schöner Literatur. Das ist meins. Ich gebe ja auch nicht bloß Tipps, sondern lese den Zuhörern aus jedem Roman etwa zehn Minuten vor. Ihre Lesung heute trägt den Titel "Welches Buch für wen!" Haben Sie da spezielle Gruppen im Auge? Es gibt Leute, die lieben Schmöker, andere bevorzugen anspruchsvolle Literatur, historische Romane oder solche mit zeitgeschichtlichem Bezug. Dann gibt es die kleinen Bücher zum Verschenken; oft werde ich auch nach einem Buch für Männer gefragt. Welche Romane haben Sie für den heutigen Abend im Gepäck? Zum Beispiel "Madame Hemingway" von Paula McLain, "Die Frau aus dem Meer" von Andrea Camilleri oder auch "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" von Jonas Jonasson. Rita Baedeker
Süddeutsche Zeitung Ebersberg 7.12. 2010 Das Buch als Lebensbegleiter - Literaturexpertin Ulrike Wolz lädt zu einer vorweihnachtlichen Lesung Bücher nennt die 64-Jährige ihre "Lebensbegleiter". Sie bestimmen ihr Wohlbefinden, wirken wie eine Medizin, sind Balsam für ihre Seele. Ohne Bücher wäre sie unglücklich, bekennt Ulrike Wolz. Kommt die Vaterstettenerin nicht zum Lesen, hat sie durchaus Entzugserscheinungen: Wenn sie spürt, dass "ihr etwas fehlt", zieht sie sich für ein, zwei Stunden mit einem Buch zurück. Das wirkt wie für andere Menschen ein Erholungsschlaf: "Damit kann ich jede Stimmung ausmerzen." Aber es ist natürlich in erster Linie kein therapeutischer Ansatz, der die ehemalige Wirtschaftsjournalistin drei, vier Stunden Lektüre auf sich nehmen lässt. Sie will vielmehr ihre Eindrücke weitergeben, anderen Menschen literarische Orientierungshilfe geben oder diese schlicht unterhalten, so an diesem Dienstag, wenn sie im Cafe "Aroma" aus dem "Krippenspiel" von John Irving vorliest, Beginn 10 Uhr. Damit geht zugleich vorerst ihre Reihe "Literatur am Vormittag" nach drei Jahren zu Ende. Denn das Cafe schließt: "Wie es damit weitergeht, weiß ich noch nicht", sagt sie. Mit dem Lesen ist freilich deshalb nicht Schluss. Schließlich verfolgt Ulrike Wolz weiterhin ihre ursprüngliche Linie: Seit neun Jahren stellt sie Neuerscheinungen vor, weil sie bemerkt hat, dass "die Leute überfordert sind, sich im Bücherdschungel zurecht zu finden". Als damals ihr Wirtschaftsjournal eingestellt und sie arbeitslos wurde, kam sie auf die Idee, aus ihrem Hobby einen Nebenberuf zu machen. Einen, von dem man natürlich nicht leben könne, der die verheiratete Volkswirtschaftlerin aber sehr erfüllt: „Ich habe mir meine Lücke rausgesucht. " Gab es bereits Germanisten, die sich auf diese Wise eine Einkommensquelle erschlossen hatten, so begnügte sich Ulrike Wolz nicht allein damit Ratgeber zu sein. Sie liest Passagen vor, womit sie sich "von anderen unterscheidet“. Ein gewisses schauspielerisches Talent, dass sie sich zuspricht, macht aus den Lesungen im Vaterstettener Cafe Seidl und der Bücherei in Grasbrunn dann fast eine dramaturgische Vorstellung. Das sei wohl auch die Attraktivität, die die Leute dazu animiert wieder zu kommen, versucht sie sich eine für derartige kulturelle Veranstaltungen durchaus ansprechende Besucherzahl von 30 bis 60 zu erklären. Die Hauptarbeit ist freilich das Lesen der Neuerscheinungen. Und jedes Buch, das Ulrike Wolz am Ende vorstellt, hat sie "von hinten bis vorne gelesen". Die Seiten überfliegen, das gibt es bei der Literaturexpertin nur dann, wenn das Werk ihr nicht so behagt, sie diesem aber dennoch "eine zweite Chance" geben will. Wer sich diese Akribie zur Maxime macht, benötigt viel Zeit. Diese findet sie selbst bei Autofahrten. Ihr Mann darf sich über eine Ehefrau als Beifahrerin wohl glücklich schätzen, der - vertieft in einen Roman - "keine Autofahrt zu lange sein kann". Christian Hufnagel
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